
| Lord Franklin | und ersteÜberland-expedition | zweite | letzte | Erebus und Terror |
Franklins Forschungsarbeiten von seiner zweiten Expedition führten später dazu, daß ihm der Ritterschlag verliehen wurde. Ironischerweise hat wahrscheinlich gerade der Erfolg dieser Expedition zum Abstieg von Franklins Karriere als Arktisforscher beigetragen. Obwohl sein Bericht einerseits einen äußerst wertvollen Beitrag zu den allgemeinen geographischen Kenntnissen über die Arktis darstellte, beschrieb er doch andererseits eine Reise ohne besondere Vorfälle und war nicht sehr aufregend zu lesen. Nach einer Reihe von Seefahrten sah sich die Admiralität keinem der beiden höchstbegehrten Preise näher - dem Pol oder der nordwestlichen Passage. Öffentliches Interesse an Arktisforschung war im Abstieg begriffen - und damit auch das Interesse der Admiralität. Als Franklin von seiner zweiten Expedition zurückkehrte, hatte ihm die Marine nichts zu bieten, geschweige denn, einen Befehl über eine arktische Seefahrt. Endlich wurde ihm 1830 ein Angebot gemacht, wenn auch nur für den Befehl über eine Fregatte im Mittelmeer. Diese Aufgabe endete 1833, und Franklins Karriere schien mehr denn je von Arktisforschung entfernt. 1836 akzeptierte er den Posten als Gouverneur von Van Diemen's Land (Tasmanien), einer Strafkolonie vor der Küste Australiens. Dort verbrachte er sechs Jahre, ehe er mit der kolonialen Bürokratie, die auf der Insel herrschte, überquer kam. Das war ein Wettstreit, den Franklin nicht gewinnen konnte. Franklin verärgerte den kolonialen Sekretär, Captain John Montagu, indem er einen Arzt, den Montagu entlassen wollte, wieder einsetzte. Als Franklin Montagu außer Amt setzte, brachte dieser nicht nur die Lokalpresse dazu, Franklin anzugreifen, sondern reiste außerdem nach England, um seinen Fall bei der Regierung vorzutragen. Trotz Franklins Ansehen konnte Montagu Lord Stanley, den Außenminister für die Kolonien, dazu bewegen, sich auf seine Seite zu schlagen. Lord Stanley bot Montagu nicht nur eine neue Stellung an, sondern veröffentlichte noch obendrein eine offizielle Kritik an Franklin. London entschied, daß Franklin ersetzt werden mußte. Und zum Schaden kam noch die Beleidigung, daß Franklin diese Entscheidung in Presseberichten lesen mußte, anstatt darüber vom Kolonialamt direkt informiert zu werden. Im Januar 1844 kehrte er nach England zurück, im Bewußtsein, daß ihm unrecht zugefügt worden war und und mit dem Vorsatz, seine Ehre wiederherzustellen. Außerhalb des Kolonialamts scherten sich wenige in England darum, was im weit entfernten Tasmanien vor sich ging. Dennoch veröffentlichte Franklin eine Schrift, worin er seine Handlungsweise verteidigte. Diese Schrift wurde nur von wenigen gelesen und gab ihm keine Genugtuung. Dennoch war er zu einer günstigen Zeit zurückgekehrt. Das Interesse an Forschung war neu aufgelebt. Diesmal war die Antarktis anstelle der Arktis der Grund dafür. 1839 hatte James Clark Ross zwei Schiffe, Erebus und Terror, in die Antarktik geführt. 1843 war er zurückgekehrt. Die Expedition wurde als wissenschaftlicher Erfolg betrachtet - Ross hatte als erster die Küste von Antarktis gesehen. Dieser Erfolg führte sowohl zu erneutem öffentlichen Interesse an Forschung als auch zur erneuten Zuversicht seitens der Admiralität. Unglücklicherweise wurde diese Zuversicht zu blindem Vertrauen. Noch immer auf der Suche nach einem Glücksstreich für Zwecke der Öffentlichkeitswerbung war die Admiralität überzeugt, daß die nordwestliche Passage nun schnell - und mit wenig Mühe - gefunden werden konnte. Vorschläge für eine weitere Expedition entwickelten sich schnell zu Vorbereitungen. Ein Plan war bereits im Dezember 1844 fertig. Die Expedition sollte im folgenden Frühjahr segeln. In der Zwischenzeit hatte Franklin einige politische Schachzüge ausgeführt. Der Befehl über eine Expedition und die Entdeckung der nordwestlichen Passage würde die bisherigen Errungenschaften seiner Karriere krönen. Und was ihm noch wichtiger war, sein Ruf konnte dadurch wiederhergestellt werden. Unglücklicherweise war Franklins politische Taktik erfolgreich, und der Befehl wurde ihm übergeben.

Die folgende Tragödie läßt sich zum Teil mit den ehrgeizigen Zielen der Marine erklären - und auch mit ihrer unrealistischen Beurteilung der Gefahren. Wäre die Marine ernsthaft an Forschung interessiert gewesen, dann hätte sie sich weder die nordwestliche Passage zum Ziel gesetzt, noch Franklin als Anführer der Expedition gewählt. Letzterer war zu dem Zeitpunkt fast sechzig Jahre alt und Übergewicht. Jedoch trat für die Admiralität selbst die Entdeckung der Passage gegenüber dem Bestreben nach öffentlicher Billigung fast in den Hintergrund. In Hinsicht auf die Öffentlichkeit war Franklin offenbar die richtige Wahl. Wer hätte mehr Recht auf die Entdeckung als der populäre Held der Arktisforschung? Solange ein Erfolg so gut wie sicher stand, war Franklin der Favorit. Und ein Erfolg war zweifellos beschieden. Fast alle Expeditionen waren heil zurückgekehrt. Obwohl Franklins erste Expedition von Gefahren zeugte, war er selbst doch stets gut durchgekommen.
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